Von Wilster in die Welt

das konnte ich im Fokus finden:

Mögliche Nord-Süd-Stromtrasse (05.02.2014)Eine gewaltige neue Stromleitung soll Windenergie von der Küste in den Süden Deutschlands transportieren. Der geplante Trassenverlauf liegt seit heute auf dem Tisch. Doch schon jetzt zittern Politiker und Netzbetreiber vor dem Zorn der Bürger.

Es ist ein Projekt der Superlative: Die neue Stromleitung, die heute in Berlin vorgestellt wurde, ist die längste ihrer Art. Über 800 Kilometer soll die Monstertrasse quer durch Deutschland geschlagen werden, von Schleswig-Holstein über Hessen bis nach Bayern. Geplante Fertigstellung: 2022.

Die Gleichstromleitung soll den an der Küste reichlich produzierten Windstrom dorthin bringen, wo er gebraucht wird: In die Fabriken und Ballungszentren Süddeutschlands. Daher auch der offizielle Name der Trasse: Sie heißt „SuedLink“. 4000 Megawatt soll die Leitung transportieren können. Verantwortlich für das Projekt sind die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW.

Der Vorschlag für den Trassenverlauf führt von Wilster (Schleswig-Holstein) aus an Verden vorbei, zwischen Hannover und Lehrte durch, vorbei an Hildesheim. Danach geht es in südwestlicher Richtung an Höxter, Warburg (NRW) und westlich an Kassel (Hessen) vorbei. Von dort führt die Leitung an Bad Hersfeld vorbei Richtung Süden, um Fulda herum in das fränkische Grafenrheinfeld. Der zweite Abschnitt soll von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg führen.

dpa-Grafik

Alternativlos?

Für die Befürworter sind neue Stromautobahnen von Nord nach Süd unverzichtbar, wenn die Energiewende gelingen soll. Schließlich herrscht schon jetzt ein bedrohliches Ungleichgewicht im deutschen Stromnetz. Der Norden schwimmt an windigen Tagen regelrecht in Energie. Immer wieder müssen Windräder abgeschaltet werden. In Süddeutschland warnen Politiker und Wirtschaftsvertreter längst vor Engpässen. Vor allem wenn in den nächsten Jahren weitere Atommeiler stillgelegt werden, wie zum Beispiel das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld in Unterfranken.

„Wir sprechen hier von der Hauptschlagader und dem Rückgrat der Energiewende“, sagt TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig. Und auch die Bundesnetzagentur betrachtet neue Stromautobahnen als unerlässlich, um die Stabilität der Netze und die Versorgungssicherheit in Deutschland zu garantieren. Agentur-Chef Jochen Homann sagte bereits im September im FOCUS-Online-Interview, dass „in Zukunft erheblich in die Netze investiert werden muss“.

Die neue XXL-Stromleitung ist deshalb auch nur eines von drei großen Trassen-Projekten mit insgesamt 2800 Kilometern Länge. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt. Wenn die Leitungen als Erdkabel verlegt werden, wird es noch teurer.

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